Der Einfachheit halber

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Die einfachen Sachen sind ja oft die Besten, heißt es immer. Und für den Kuchenesser mag das auch stimmen. Für mich als Kuchenbäcker dagegen sind die einfachen Sachen oft auch die langweiligsten. Ich gebe zu: Dieser Aprikosen-Crumble schmeckt wirklich hervorragend. Aber irgendwie frustriert es mich, dass ein Kuchen, der sogar aus noch weniger Zutaten besteht, wie jüngst der mallorquinischer Mandelkuchen, praktisch auch der ist, für den ich immer und immer wieder am meisten Lob bekomme. Da arbeitet man sich an luftigen Teigen ab, experimentiert mit Buttercrème und Spritztechnik – und dann jubeln alle über Aprikosen mit Streuseln.

Ja, erst vergangene Woche habe ich behauptet, mich jetzt zu den Checkern zu zählen, weil mir das spanische Teil gelungen ist. Aber das war etwas anderes: Da gab es immer noch diese Unsicherheit, ob ein Rezept aus der Fachzeitschrift gelingen würde. Der Aprikosen-Crumble aber stammt aus einer „Lecker Bakery“. Den kriegt wirklich jeder hin. Simple. Unspektakulär. Öd.

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Und trotzdem kriegt er immer Premiumbewertungen.

Seufz.

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Auf der anderen Seite:  Ursprünglich hatte sich M. angekündigt. Die einzige, die mir gegenüber jemals ihre Liebe zu Fondant zum Ausdruck gebracht hat. Also stand fest, dass ich mich endlich wieder einmal mit Kneten, Färben und Formen befassen würde.

Dann musste M. leider absagen – und obwohl ich sie so gern bei mir gehabt hätte, war ich andererseits nahezu erleichtert: Der Fondant-Druck war von mir genommen! Ich weiß überhaupt nicht mehr, wie das geht mit dem Fondant.

Da kann ich dem schlichten Aprikosen-Crumble also fast dankbar sein für seine Existenz. Und kaum größer war die Herausforderung, noch ein Kirschenmännla (Ich glaube, in manchen Gegenden sagt man Kirschmichl dazu.) zu backen. Auch so etwas Schlichtes aus alten Semmeln, Ei und Kirschen.

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Ich verbinde eine seltsame Kindheitserinnerung damit: Ich muss so sechs, sieben Jahre gewesen sein, als das zum ersten Mal von meiner Oma gemacht auf den Tisch kam. Und obwohl es gut aussah und gut roch, habe ich mit kindlicher Bestimmtheit (und Dummheit!) behauptet, das auf keinen Fall zu mögen! Ich hab’s nicht mal probiert. Und danach auch nie wieder bei ihr gesehen.

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Insgeheim muss ich aber damals schon gewusst haben, dass mir das schmeckt. Mehr als zwanzig Jahre später habe ich mir ein Rezept besorgt und backe seither einmal im Jahr zu Ehren der lang verstorbenen Oma Kirschenmännla. Außer mir isst den Auflauf keiner, von den portionsweise eingefrorenen Stücken zehre ich oft bis zum Dezember. Aber wenn ich eines aufbacke, bin ich mir doch immer ganz sicher, dass die Oma das Einfache ebenso zu schätzen wusste.

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Ein Gedanke zu “Der Einfachheit halber

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