Leben wie ein fettes Brioche

Schwerpunktthema in den Kantinengesprächen vergangene Woche: Hefegebäck. Schwerpunktzutat in meiner Vorratskammer: Trockenhefe. Welcher Schwerpunkt folgte also daraus fürs Backwochenende? Na?

Die Anregung kam aber auch wirklich zur rechten Zeit, muss ich sagen. Denn beim Blick in die Schachtel mit Backpulver und ähnlichem konnte ich feststellen, dass bei mir eindeutig wieder irgendetwas schwer schief gelaufen ist in Sachen Vorratshaltung:

Drei Päckchen Trockenhefe! Jedes mit vier Portionsbeutelchen! Und das, wo ich doch eigentlich viel lieber mit frischer Hefe backe.

Woher kommt das? Warum nehme ich einfach mal so ein Päckchen Hefe mit beim Einkaufen? Ich kann mich jedenfalls an keine traumatische „O-Gott-es-ist-Sonntag-und-jetzt-hab-ich-gar-keine-Hefe-Situation“ erinnern.

Was es auch ist – jetzt sind zumindest mal drei Beutelchen weg. So eins nach dem anderen habe ich am Sonntag drei verschiedene Hefeteige angesetzt. Zunächst einen herzhaften für Tortano. Dann einen ziemlich normalen für ein Pull-Apart-Bread. Und schließlich den aufwendigsten mit viel Butter, um meine Brioche-Skills weiter zu verbessern.

Das war ein bisschen wie in der Großproduktion: Hefeteig kneten, abdecken, ab auf die Heizung – und gleich wieder von vorn.

In Nummer 1, den Tortano nach Leila Lindholm, habe ich ein Tomaten-Chutney, ein paar Sardellen, eingelegte Paprika und Mozzarella eingewickelt. Nach 25 Minuten Backzeit kam ein sehr passables Teil aus dem Ofen.

  

Im Anschnitt vielleicht unspektakulär, als Brot aber sehr vernünftig.

Nummer 2 wurde ebenfalls ausgerollt und belegt, danach allerdings in Quadrate geschnitten, aufgestapelt und in eine Kastenform gesetzt.

  

Dafür habe ich den Löffel mal wieder tief in ein Glas Salzkaramell-Aufstrich getaucht. Von dem, wir wissen es, ist aufgrund missglückter Bonbon-Versuche ebenfalls nie Mangel im Hause. Ich möchte fast sagen: Im Moment gibt’s ähnlich viel Karamell wie Hefe.

  

Ein bisschen gehackte Schokolade und Pekannüsse runden die Geschichte ab und machen sie zu einem leicht klebrigen, knackigen Zupfbrot.

Deutlich mehr Zeit in Anspruch hat schließlich das hübsche Brioche genommen. Wie bei den ersten beiden Malen habe ich dieser englischsprachigen Anleitung vertraut und muss sagen: Ich komme der Sache – oder einem ziemlich perfekten Brioche – wirklich langsam näher.

Nur Zeit muss man halt haben: Zehn Minuten hier kneten, fünf Minuten da kneten. Eine Stunde warum ruhen lassen, eineinhalb Stunden kalt ruhen lassen. In die Form setzen, ruhen lassen. Mit Ei einstreichen, ruhen lassen. Nochmal bepinseln, ruhen lassen.

Ich finde: So ein Brioche, das hat schon ein prima Leben. Tortano und Pull-Apart-Bread waren bereits angeschnitten und zum Teil verspeist, da lagerte der fette kleine Briocheteig immer noch in irgendeiner Ruhezone. Mal warm, mal kalt, massiert, gehegt, gepflegt – fast wie Kneippkur.

Vielleicht möchte ich in meinem nächsten Leben ein Brioche werden.

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Ein Gedanke zu “Leben wie ein fettes Brioche

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