Der Druck der Mutterbrust

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War ich faul? Den ganzen November nicht gebacken? Natürlich nicht. Insbesondere nach einem New-York-Aufenthalt inklusive Besuch der Magnolia Bakery, dem erneuten Genuss des weltbesten Cheesecakes bei Junior’s in Brooklyn und dem Kauf einiger Backutensilien aus der Martha-Stewart-Collection wäre es ja undenkbar gewesen, zuhause nicht sofort wieder loszulegen.

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Die amerikanischen Backwaren – der Cheesecake, die Cupcakes von Magnolia, Applecrumble, Kürbiswaffeln – waren so gut, dass ich sie eigentlich alle gleich nacharbeiten wollte.

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Aber der Advent stand schon vor der Tür und eigentlich hat man mir ja beigebracht, dass zum 1. Advent alle Plätzchen fertig sein müssen. Das habe ich schon in den vergangenen Jahren nicht geschafft, ist aber vielleicht auch eher machbar für eine Hausfrau ohne Vollzeitjob. Immerhin habe ich bereits einen Tag nach der Rückkehr aus den USA die ersten beiden Sorten umgesetzt, und zwar die in meiner Familie äußerst beliebten Nougatstangen sowie ein paar improvisierte Makronen.

Für die Herstellung dieser Nougatstangen ist es immer ganz sinnvoll, einen kräftigen Mitmenschen in der Nähe zu haben. Warum? Der Teig ist von dermaßen zäher Konsistenz, dass nur geübte Muskeln mit ihm klar kommen. Muskeln und vor allem eine Teigpresse der robusten Art. Es gehört zu meinen frühen Kindheitserinnerungen, dass meine Mutter unter Ächzen und Stöhnen dunklen Schokoladenteig mithilfe eines hölzernen Stößels durch ein Metalrohr presst, wobei sie das Gerät nicht selten mit aller Kraft an ihren Busen drücken musste, um überhaupt etwas herauszubekommen.

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Noch heute denke ich lachend an die elektrische Gebäckpresse, die ich ihr eines Tages in der Annahme schenkte, die Nougatstangenproduktion würde ab sofort zum Kinderspiel.  Schon der erste Versuch wurde abgebrochen: Die Presse, befüllt mit dem zähen Stoff, gab ein regelmäßiges „Tock tock tock“ von sich, ansonsten geschah – gar nichts. Also musste wieder das Rohr ran, das über die Jahre immer wieder von einem handwerklich begabten Nachbarn gelötet wurde: Gelegentlich flog das Gewinde für die Spritzeinsätze mit Wucht vom Deckel. Es war einfach nicht gemacht für diesen Teig.

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Seit ich nun das Teil geerbt habe, richte ich es so ein, dass der Ehemann anwesend ist, sobald es an die Nougatstangen geht. Er hat die Liebe zum Endprodukt offenbar mitgeheiratet und presst daher mit Leidenschaft Teigstrang um Teigstrang für mich aufs Blech. Mir bleibt, Stückchen zu schneiden, die ich übrigens nie einigermaßen gleich lang bekomme, sie zu backen, zwei mit Nougat zusammenzukleben und am Ende in Schokolade zu tauchen. Irgendwie sind es  am Ende immer so wenige, dass es mir verboten ist, welche Freunde und Nachbarn zu verteilen. Lediglich die Erlaubnis, dem Schwager ein paar zu schicken, habe ich dieses Jahr erhalten. Alle anderen müssen sich mit dem zufriedengeben, was das Haus verlassen darf. Spitzbuben zum Beispiel. Und die Nussmakronen.

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Ein Gedanke zu “Der Druck der Mutterbrust

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